Ziel der Kampagne

Wir werden mit unserer Kampagne gegen die Tunnelbohrmaschine den Protest gegen S 21 weiterhin ins Land hinaustragen und auf all das, was der Einsatz der Tunnelbohrmaschine an Negativem mit sich bringt, durch symbolische Aktionen hinweisen.

Nachdem nur das Hauptlager der Tunnelbohrmaschine über Rhein und Neckar transportiert wurde und am Stuttgarter Neckarhafen und am Fasanenhof blockiert wurde, sind die restlichen Teile des Bohrers über die Straße angeliefert worden, ohne dass wir dies verhindern konnten. Auch wenn der Bohrer unter Tage arbeitet, werden wir weiter das S21-Prinzip durch Aktionen und Demonstrationen als Betrug entlarven.
Stuttgart 21 wird mindestens um 2,3 Milliarden Euro teurer.
Bahnchef Grube würde S21 heute nicht mehr bauen, die Bundesregierung drückt den Weiterbau durch.
Für 6,8 Milliarden plus X soll Stuttgart 60 km Tunnel und einen 8-gleisigen unterirdischen Bahnhof bekommen – halb so groß wie der in Karlsruhe und sechsmal so teuer wie der neue in Berlin.
Die DB AG hat den Bau beschlossen – Baden-Württemberg soll die Mehrkosten tragen.
Egal, ob S21 über die PKW-Maut oder über steigende Fahrpreise finanziert wird, egal, ob woanders gespart wird – das S21-Prinzip lautet: „Wir ziehen unseren Irrsinn durch, egal was es Euch kostet!“
Während im Rheintal am Lärmschutz gespart wird, sollen in Stuttgart unnütze Tunnel gegraben werden – mit enormen geologischen Risiken und einem lebensgefährlich rückständigen Brandschutz.

Das Stuttgart-21-Prinzip

Durch dieses symbolisches Pyramiden-Projekt werden sowohl der Sinn als auch die Kosten von S21 verschleiert, einige Firmen machen dabei satte Gewinne, und wir Bürgerinnen und Bürger finanzieren das unmerklich, profitieren aber nicht wirklich davon.

Ende 2012 mussten die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn so tun, als seien sie von den Kostensteigerungen von Stuttgart 21 völlig überrascht worden. Tatsache ist aber, dass in mehreren Gutachten auch von unabhängigen Stellen wie dem Bundesrechnungshof schon Jahre zuvor festgestellt wurde, dass die Kostenrechnung der Bahn völlig unrealistisch ist. Die tatsächlichen Baukosten von Stuttgart 21 lagen immer über der vom Bahnvorstand festgelegten Wirtschaftlichkeitsgrenze von 4,7 Milliarden Euro.

Führende Politiker und Bahnvorstand leugneten dies wider besseren Wissens, um sich die Unterstützung von Bürgern und Basis zu sichern. Damit hatten sie zunächst Erfolg: Im November 2011 entschied sich eine Mehrheit der abstimmenden Bürger Baden-Württembergs gegen einen Ausstieg des Landes aus Stuttgart 21. Dem voraus ging eine massive Desinformationskampagne, in der die Bürger über die tatsächlichen Kosten und Risiken von Stuttgart 21 absichtlich belogen wurden - was inzwischen offensichtlich ist.

Doch einen wesentlichen Baufortschritt gab es seither nicht. Nach wie vor fehlen Baugenehmigungen, und bereits erteilte stehen wegen Planänderungsverfahren auf der Kippe. Schon mehrmals musste die Bahn allzu optimistische Zeitpläne ändern. Inzwischen soll die Eröffnung erst 2022 erfolgen, statt wie vor der Volksabstimmung versprochen 2020. Aber wegen Planänderungen, technischer Probleme und ungeklärter juristischer Fragen gilt auch dieser Termin als unrealistisch. Dazu ist das Projekt nun auch offiziell mit mehr als 2 Milliarden Euro unterfinanziert, seit der Vorstand der Bahn endlich öffentlich gestehen musste, dass seine Kostenschätzung völlig falsch war. Experten glauben jedoch, dass auch sie schöngerechnet ist. Dies hat die Bahn freilich nicht von völlig verfrühten Abriss- und Fällarbeiten abgehalten. Mit den Seitenflügeln und den Bäumen im Schlossgarten fehlt dem Bahnhof nun der Windschutz. Auf den Bahnsteigen ist es zugig und kalt; das Dach ist instabil und droht bei Sturm einzustürzen.

Stuttgart 21 ist also weder ausreichend finanziert noch wirtschaftlich - und dies schon, bevor überhaupt mit dem eigentlichen Bau des Tiefbahnhofs begonnen wurde. Diese Tatsache hat aber weder die verantwortlichen Politiker noch die Vorstände und Aufsichtsräte der Bahn dazu bewogen, das Projekt abzublasen, obwohl Gelder für dringendere Bahnprojekte fehlen und wir uns nach wie vor in einer Wirtschaftskrise befinden. Stattdessen klammern sie sich daran mit längst überholten und widerlegten Argumenten.

Warum sie dies tun, liegt nach näherer Betrachtung auf der Hand: Trotz der erwiesenen Unwirtschaftlichkeit ist Stuttgart 21 für viele Unternehmer, Politiker und Parteien ein gutes Geschäft; vor allem, wenn sich Kosten und Risiken an die Bundesbürger abwälzen lassen. Beispielsweise ist der Hersteller der Tunnelbohrmaschine für den Fildertunnel, Martin Herrenknecht, ein großzügiger Spender der Befürworter-Parteien CDU und SPD. Die Lebensgefährtin des ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger sitzt im Vorstand einer Stiftung des Shoppingcenter-Betreibers ECE, die neben dem Hauptbahnhof ein neues Einkaufszentrum errichten möchte, das aber ohne eine Bebauung der freiwerdenden Grundstücke unwirtschaftlich wäre.

Warum der Tunnelbohrer ein Symbol der Korruption ist

Ursprünglich sollte der Fildertunnel bergmännisch gebaut werden, d. h. durch Sprengen und Abtragen. Dies passte dem Tunnelbohrmaschinenhersteller Martin Herrenknecht nicht. Auf eigene Kosten ließ er eine Studie anfertigen, die zum nicht weiter überraschenden Schluss kam, dass sich der Fildertunnel viel besser mit einer Tunnelbohrmaschine bauen ließe. Zudem spendete er üppig an die Partei, deren Mitglied er zum Glück ist, die CDU. Als er merkte, dass der Wind sich drehte, spendete er sicherheitshalber auch an die SPD. Das Ergebnis seines finanziellen Einsatzes war ein Planänderungsverfahren, mit dem der Einsatz einer Tunnelbohrmaschine beantragt wurde. Noch bevor der Antrag überhaupt genehmigt war, wurde die bereits bestellt und fertiggestellt - natürlich bei Martin Herrenknecht. Parteispenden, Parteimitgliedschaft und Lobbyarbeit zahlten sich also aus.

 

Montage der Tunnelbohrmaschine

Am Abend des 11.März 2014, dem Tag, an dem die Blockadegruppe und die Kampagne gegen die Tunnelbohrmaschine von 7:00 bis 9:00 Uhr die Baustellenzufahrt zum Südportal Fildertunnel im Fasanenhof zur Spielstraße gemacht hatten, wurde auf dem Gelände von der Firma MSG Krandienst GmbH aus Kehl/Rhein, ein blauer Schwerlast-Autokran aufgestellt.

Am 13. März 2014 wurde mit dem Aufbau des 320 t – Portalkrans der Firma Brunnhuber Krane GmbH aus Augsburg begonnen.

Seit dem 18. März 2013 werden zahlreiche Teile der Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine mit blauen Schwertransportern der Fa. MSG Krandienst GmbH Kehl/Rhein auf die Baustelle gebracht.

Am 10. Juli war Tunneltaufe für den Tülay Tunnel und der kleine Nils soll jetzt Suse heißen.

Bilder der Fildertunnelbaustelle von Wolfgang Rüter

Seit August ist die Tunnelbohrmaschine im Loch. Die notwendigen Tübbinge fehlen noch.