Rede von Susanne Bödecker bei der 194. Montagsdemo am 21.10.13

Susanne Bödecker engagiert sich für die Tunnelbohrer-Initiative ebenso wie für die Blockade-Gruppe

Guten Abend, ich spreche für die Blockadegruppe.

Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

Wo ein Naturschutzgebiet zerstört wurde, um aus Beton einen Tunnelschlund zu modellieren, der am Fasanenhof unnötig Züge schluckt und ausspuckt, lassen wir die Arbeiten nicht ungehindert geschehen.

Wo 150 Bäume gefällt werden, um Logistikflächen zu errichten, setzen wir uns den LKW in Feuerbach in den Weg, getreu dem Parkschützervorsatz, sich keinen einzigen Baum für S21 nehmen zu lassen.

Wo vielleicht schon morgen wieder Bäume gefällt werden, obwohl dieser Park tabu ist, nutzen wir den verursachten Stau auf der Ehmannstr., um die Menschen auf die drohende Zerstörung hinzuweisen.

Wir werden die TBM auf ihrem Transportweg nicht ungehindert passieren lassen. Baumfällfirmen können besucht und die LKW am Ausfahren behindert werden. Es gibt viele Möglichkeiten, da zu sein, wo man uns nicht vermutet.

Wir haben die zügig voranschreitenden Arbeiten nicht ungehindert geschehen lassen. Nein, verhindern können wir gerade nichts, aber verzögern, Sand ins Getriebe streuen, zeigen, dass wir da sind, überall, wo immer neue hässliche Wunden klaffen. Ihr werdet uns nicht los, denn es ist unsere Stadt, die ihr zerstört, mutwillig, machtbesessen, geldgierig, armselig.

Macht mit, reiht Euch ein, morgen früh, 7:30, Naturkundemuseum. Unzweifelhaft ist unsere Berechtigung dazu:
Auch unter MP Kretschmann wird die Politik zu S 21 ohne Rücksicht auf die Bürger und ohne Anerkennung von Wahrheiten, nur nach Mehrheiten betrieben. Die Aussage: S 21 kann nicht gestoppt werden, ist rechtlich, sachlich und politisch falsch.

Der zivile Ungehorsam ist ein Wegbegleiter überall dort, wo wir merken, dass das Demokratieprinzip nur noch auf dem Papier zu den geschützten Grundrechten gehört und der Postdemokratie weichen musste.

Die Wirkung wird oft unterschätzt: Die wöchentlich, seit Januar 2011 stattfindenden Blockaden an Nordausgang, GWM, Fasanenhof und nun an der Straße zum Rosensteinpark haben jeweils 1-6 Std. Baustopp erreicht. Die Bahn beklagte schon bei der sog. Schlichtung die Behinderungen durch Demonstrationen und Blockaden. Da sie weiß, dass wir „immer und überall“ sein können, muss sie bei ihrer Bauplanung auch immer die Polizei und deren Kapazitäten berücksichtigen. Die Polizeieinsätze bei den ausnahmslos gewaltfreien Blockaden bringen auch einige Uniformierte zum Nachdenken. Viele Blockaden aus dem Jahre 2011 werden nicht mehr juristisch verfolgt, da die politisch mehrheitliche Lage angeblich anders war. Blockaden verursachen nicht automatisch eine juristische, teure Strafverfolgung! Jeder kann sich noch vor einer Personalienfeststellung entfernen. Ohne sich dabei schlecht fühlen zu müssen, ohne zu denken, er habe jetzt die anderen, den Bahnhof oder die Bäume im Stich gelassen, ohne sich wegen seiner angeblichen Mutlosigkeit zu schämen.

Heinrich Steinfest erklärt die stagnierende Zahl der Widerständler mit dem lähmenden Gift der S21-Krankheit.Wir fügen hinzu: Wir müssen dafür sorgen, dass die, die geblieben sind, sich ernstgenommen fühlen und bleiben. Jedes Bestreben muss von der gesamten Bewegung getragen und akzeptiert werden, gleichberechtigt. Wer hätte die Berechtigung, uns zu sagen, was wir tun und lassen sollen, außer wir selbst?

Also, wenn sie sich schon morgen am RSP vergreifen wollen, dann fragt nicht lange, ab wann ist ein Baum ein Baum? Schnappt Eure Klemmbretter, stellt, setzt , legt Euch in den Weg und wenn die Polizei zu Euch kommt, dann macht einen Deal: Storno 21 – und Leistungsrückbau –Unterschrift gegen Eure Personalien.

Zusammen einzigartig, aber nicht artig!!!